Die Pfarre Thalgau

Katholiken: 4500 (Gesamteinwohner: 5212, Stand 2001)

Seehöhe: 545m

Fläche: 48km² (Gemeindegebiet deckt sich mit Pfarrgebiet)

Pfarrer: Dechant Domkap. GR Mag. Josef Zauner

Ständiger Diakon: Hans Mayrhofer-Reinhartshuber


Der Pfarr- und Marktort Thalgau mit seiner traditionsreichen Martinskirche liegt in einem weiten Tal, das sich vom Mondsee zum Heuberg hin erstreckt, und dem auch die Westautobahn folgt. Der Schober (1329m) im Südosten und der Kolomansberg (1114m) im Nordosten prägen das Gebiet, den Hauptfluss bildet die Fuschlerache. Lebensader war 65 Jahre lang die Salzkammergutlokalbahn (Ischlerbahn), 1958 wurde sie von der Autobahn abgelöst.

Der wohl keltische Ursprung des Heiligtums auf dem Kolomansberg sowie die 1953 aufgefundenen Überreste einer römischen Villa am alten West­ausgang des Ortes verweisen auf die lange zurückreichende Besiedlungs­geschichte des Gebietes. In den Güterverzeichnissen der Salzburger Kirche, die (Erz-)Bischof Arno um 790 anlegen ließ, wird Thalgau erstmals urkundlich erwähnt.

Demnach hat Herzog Theodo die Kirche samt Wiesen, Wäldern und einem Drittel bzw. der Hälfte des Fischfanges im Mondsee zu Zeiten des hl. Rupert, also um 700, der Salzburger Kirche zur Ausstattung des Frauenklosters am Nonnberg übergeben. Patron des Thalgauer Gotteshauses war wohl von Anfang an der hl. Martin, der seit der Merowingerzeit einer der wichtigsten Reichsheiligen war. Das Patrozinium verweist somit auf eine frühe Gründung der Kirche, d. h. noch im Lauf des 7. Jahrhunderts.

Urkundlich wieder fassbar wird die Thalgauer Kirche mit dem Jahr 1182, als Erzbischof KonradIII. das neu erbaute Heiligtum konsekrierte. Eber­hardII. inkorporierte die Pfarre 1243 dem Salzburger Domkapitel. Die Einnahmen aus der Pfarre - der Hauptgrund für solche Inkorporationen ­- dienten der Erhaltung der erzbischöflichen Stiftungen sowie der Anschaf­fung von Lammpelzen für die Kanoniker zum winterlichen Gebrauch. Gleichzeitig erhielten die Domkapitulare auch das Recht, einen der Ihren (nominell) zum Pfarrer zu bestellen, wobei die eigentliche Seelsorgearbeit üblicherweise ein Vertreter, meist "Leutpriester" oder "Vikar" genannt, besorgte. So blieb es, bis 1581 der Weltpriester Wolfgang Haberl, der schon vorher Vikar gewesen war, offiziell zum Pfarrer ernannt wurde. Dem Domkapitel verblieb dann bis zur Säkularisation 1803 nur mehr das Präsentationsrecht, also das Privileg, einen geeigneten Kandidaten nam­haft zu machen, auf dass ihn der Bischof zum Pfarrer bestelle.

Das religiöse Leben in der Barockzeit, das auch von den zwei bis heute bestehenden Bruderschaften (Fronleichnams- bzw. Corporis-Christi- so­wie Skapulierbruderschaft) geprägt war, manifestierte sich besonders im Neubau der Pfarrkirche 1747-1755. Unter der kurz währenden Herrschaft Bayerns über das ehemalige Fürst­erzbistum Salzburg wurde die Dekanatsstruktur mit den Gerichtsbezirken in Übereinstimmung gebracht. So wurde Thalgau 1812 Dekanatssitz; zugeteilt wurden ihm die alten Thalgauer Tochterkirchen, die in den Jahrhunderten zuvor (als Vikariate) weitestgehende Selbständigkeit erhal­ten hatten, wie St. Gilgen, Faistenau, Ebenau, Strobl, Hof, Hintersee und Fuschl.

1800, 1805 und 1806 hatte die Bevölkerung wie im gesamten Umland unter den Einfällen französischer Truppen zu leiden. Aber auch früher hatte es Notzeiten gegeben, die 1243 und 1338 durch riesige Heuschre­ckenschwärrne, 1616 und 1636 durch die Pest, 1740/1744 durch Missern­ten und 1843 durch den Typhus verursacht waren. Hochwasserkatastro­phen suchten den Ort 1891, 1920 und zuletzt 2002 heim. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist durch die Ansiedlung von Betrieben ein steter wirtschaftlicher Aufschwung zu verzeichnen, der sich unter anderem auch im Bevölkerungszuwachs niederschlägt.